Monographien

Diesseits der Bilder.
Der Videorekorder und die Geschichte medialen Wissens um 1980

Der Videorekorder gab den Startschuss zu einer globalen Medienkultur – vom zeitversetzten Fernsehen über das individuelle und eigensinnige Aneignen von Bewegtbildern bis hin zum unüberschaubaren Markt von Programmen jenseits der klassischen Massenmedien. In einem sich gegenseitig bedingenden und hervorbringenden Wechselspiel zwischen Medien, Gesellschaft und Subjekten unterliefen sich dabei vermehrt klassische binäre Modelle wie Medium und Welt oder Fiktion und Realität.
Indem die Nutzerinnen und Nutzer begannen, Filme und Fernsehprogramm zu kontrollieren, legten sie den technischen und artifiziellen Charakter der bewegten Bilder frei. Aus dem ehemaligen Fenster zur Welt, wurden zahllose Fenster in der Welt. Es entstand eine neuartige mediale Kompetenz, die ein auf den ersten Blick widersprüchliches Verhältnis zwischen Subjekt und Medium zur Folge hatte: Mit der Entzauberung des Mediums vergrößerte sich der Abstand zwischen beiden ‚Polen‘, löste sich aber gleichzeitig auf. Es entwickelte sich eine universale Kulturtechnik des Bildes, die sich nicht auf einzelne Medien reduzieren lässt, sondern viel mehr mit zahlreichen nicht-medialen Bereichen korrespondierte. Der Begriff der Postmoderne drängt sich hier förmlich auf.
Anstatt jedoch die Argumentation mit Schlagwörtern einer banalen Ästhetisierung oder gar dämonisierenden Entfremdung zu verkürzen, folgt die Arbeit den weit verzweigten Spuren des medialen Wissens: Ausgehend von der technischen Durchdringung der Haushalte, der gesellschaftlichen Suche nach Authentizität, Konsummustern, Körperpraktiken, fernsehinstitutionellen Debatten sowie zahlreichen Filmen und Fernsehsendungen, setzt sie das Mosaik eines historischen Wandels zusammen, dessen Wegbegleiter der Videorekorder war.

Neofelis 2020 [Leseprobe]

 

Aufsätze
Das Wundmal im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Horrorvideos und die Herausforderungen des Affekts in den 1980er Jahren, in: Body Politics. Zeitschrift für Körpergeschichte, 2, 2013, S. 297 – 321. [Text]

Diskursiver Wandel und technische Praxis. Differenzierende Wiederholung im medialen Dispositiv des Videorekorders, in: Achim Landwehr (Hg.): Diskursiver Wandel, Wiesbaden 2010, S.311-333. [Text]

Die Materialisierung des Imaginären. Die Neuen Medien der 1980er Jahre, in: Elisabeth Tietmeyer, Claudia Hirschberger, Karoline Noack, Jane Redlin (Hg.): Die Sprache der Dinge – kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die materielle Kultur, Münster/New York/München/Berlin 2010, S.203-213. [Text]

'Es wäre besser um die Welt bestellt, wenn die Menschen sich untereinander wie Löwen benähmen’ – Die ersten Grzimek-Filme und die junge Bundesrepublik, in: Maren Möhring, Massimo Perinelli, Olaf Stieglitz (Hg.): Tiere im Film - Eine Menschheitsgeschichte der Moderne, Köln/Weimar/Wien 2009, S.97-113. [Text] [Rezension1] [Rezension2]

 

Magister
Fernweh nach der Heimat – Eine Analyse der Fernsehserie ‚Das Traumschiff’ der Jahre 1981-1983.

 

Vorträge
"Ohne VCR kein YouTube. Hendrik Pletz zur Geschichte des Videorekorders" Interview bei Corso, Deutschlandfunk am 23.11.2020. [Interview]

„Diesseits der Bilder. Zum notwendigen Verhältnis von Gesellschaft und Medien" auf der Tagung "Film & Visual History: Fragen - Konzepte - Perpektiven", Köln (Januar 2016). [Video]

„Der Wille zur Wirklichkeit. Die Krise der technischen Bilder und die Suche nach Authentizität um 1980“ auf dem 10. Potsdamer Doktorandenforum zur Zeitgeschichte, „Zeitalter der Audiovisionen? Zeithistorische Perspektiven auf das Verhältnis von Medien und Gesellschaft“, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (Oktober 2012). [Abstract]

Interview mit Q-History zur Geschichte des Zombiefilms (Januar 2011).

„Transnationale Perspektiven auf die historische Diskursanalyse“ im Kolloquium des Zentrums für Europäische Studien, Köln (Januar 2010).

„Diskursiver Wandel und technische Praxis. Differenzierende Wiederholung im medialen Dispositiv des Videorekorders“ auf der Tagung „Diskursiver Wandel. Internationale Tagung zum Stand der Diskursanalyse in den Geschichtswissenschaften“, Düsseldorf (März 2009). [Abstract]

„Die Entzauberung des Phantastischen. Der pädagogische Videodiskurs der 1980er Jahre“ auf der Tagung „Unbegreifliche Zeiten. Wunder im 20. Jahrhundert“, 23. Tagung des Arbeitskreis Geschichte und Theorie, Kulturwissenschaftliches Institut, Essen (März 2009).

„Der mediale Apparat und die Produktion des Imaginären“ bei der Theoriesektion „Mediale Materialitäten. Drei Überlegungen über das Verhältnis von Ding und Diskurs“ der PostDocPlattform V, Köln (Dezember 2008).

„Die Materialisierung des Imaginären. Die Neuen Medien der 1980er Jahre“ auf der Tagung „Die Sprache der Dinge – kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die materielle Kultur“, Gesellschaft für Ethnographie, Berlin (November 2008).

„Technische Innovation und medialer Wandel in den 1980er Jahren. Zum Konsum des Imaginären in der Realität der bundesdeutschen Postmoderne“ auf dem 13. Transatlantischen Doktorandenseminar des Deutschen Historischen Instituts in Washington DC (Mai 2007).

„Spider-Man und der kaputte TwinPhallus. Kastrationsangst und Remaskulinisierung im Kontext von 9/11“ im Arbeitskreis Geschichte und Film, Universität zu Köln (Januar 2007).